Turniere an mehreren Tischen sind – und waren es immer – die populärste Form des Poker. Die Popularität ist in den letzten Jahren gleichsam explodiert und die Preisgelder haben enorme Größen angenommen. Im Jahr 2003 haben über 800 Spieler teilgenommen, 2004 waren es schon mehr als 2.500 und im Jahr 2005 wurde de neue Rekord mit 5.618 Teilnehmern aufgestellt. Für 2006 rechnet man mit mehr als 8.000 Teilnehmern. Jeder Spieler investiert € 10.000 das kreiert einen Preispool mit so viel Nullen, dass es mühsam wird, die Zahl einzutippen.
Offensichtlich läuft die WSOP unter außergewöhnlichen Umstände ab, aber in jedem Turnier, dass Sie vorher spielen, können Sie für Ereignisse jenes Kalibers trainieren und sich vorbereiten. Die beste Lernmethode ist Eigenerfahrung. Wenn Sie also in einem Turnier spielen – egal ob Sie Erfolg haben oder nicht – müssen Sie Ihr eigenes Spiel analysieren. Sie müssen lernen sich selbst gegenüber ehrlich zu sein.. Es ist leicht über die eigene letzte Hand im Turnier zu jammern und sie als bad beat hinzustellen. Blicken Sie auf alle Phasen des Turniers zurück. Waren Sie aggressiv genug oder vielleicht zur falschen Zeit überaggressiv, so dass Sie Ihr gutes Blatt in einer entscheidenden Situation nicht richtig gespielt haben und dadurch einen fetten Pot verloren haben? Haben Sie wirklich immer mit Ihren guten Blättern maximal gewonnen und mit schlechten minimal verloren?
Vielleicht klinge ich hier wie ein chinesischer Prophet, aber Sie sollten ein Freezeout-Turnier wie eine Reise betrachten, die im Laufe ihrer Dauer schneller und gefährlicher wird. Nur die schnellen und die Leute mit Glück überleben. Zahllose Entscheidungen müssen auf dem Weg getroffen werden. Sie sind von so vielen einzigartigen Faktoren in der betreffenden Situation abhängig und Sie sind die einzige Person, die die richtige Entscheidung treffen kann. Vertrauen Sie dabei auch auf Ihr Bauchgefühl. Sie werden überrascht sein, wie oft es das richtige ist.
Zu Anfang geht das Spiel in gemächlichem Tempo los. Es gibt keinen Grund, früh mit agrressivem Spiel die Blinds zu stehlen, es sei denn, Sie haben ein wirklich gutes Blatt. Zu Beginn sind die Blinds mickrig im Vergleich zu Ihrer Chipmenge. Jetzt ist die richtige zeit, um die Gegner zu beobachten und einzuschätzen. Wenn allerdings die Blinds höher werden, wird es Zeit, „einen Gang höher zu schalten“. Beginnen Sie, Ihre Blätter aggressiver zu spielen und versuchen Sie, Chips anzusammeln. Vermeiden Sie schwaches Spiel. Ich höre oft, wie Spieler sagen: „Ich wusste, sie waren vor dem Flop schwach, deswegen bin ich mitgegangen.“ Anschließend half der Flop den Gegnern und nun sitzen sie an der bar und erzählen jedem, der es nicht hören will, von ihrem Pech. Was sie nicht erkennen ist, dass sie selbst ihr Blatt schlichtweg schwächstmöglich gespielt haben. Wenn Sie Schwäche spüren, erhöhen Sie, selbst wenn vorher erhöht wurde. Diese Art zu spielen gewinnt nicht nur den Pot ohne Risiko ausgefloppt zu werden, sie zeigt auch klar und deutlich, wo die Stärke sitzt.
Eine weitere häufige Hürde ist die „Münzwurfsituation“: Ein Unterpaar gegen zwei höhere Karten des Gegners. Wenn Sie ziemlich sicher sind, sich in der Situation zu befinden, hängt Ihre Entscheidung zu zocken von Ihrer Chipmenge und Ihrem Bauchgefühl ab. In Turnieren müssen Sie Chips gewinnen und dazu muss hin und wieder gezockt werden. Allerdings muss der Zeitpunkt dafür gut gewählt und akkurat eingeschätzt sein. Wenn Sie mit wenig Chips dastehen, muss jede Chance zur Verdoppelung genutzt werden. Wenn Sie andererseits etwa gleich viele Chips wie Ihr Gegner haben und er massiv erhöht hat, könnte es klüger sein, mit hohen Überkarten oder einem mittleren Paar zu passen. Es findet sich sicher schnell eine Gelegenheit, alle Chips zu setzen, wenn die Chancen besser für Sie stehen.
Wenn Ihre Chips weniger werden, müssen Sie aggressiver werden. Die Chips sind der Treibstoff, der Sie durch das Turnier bringt. Sie können nicht mit dem tempo Schritt halten, wenn Sie zu wenig Treibstoff haben. Trotzdem, Chips sind wertvoll, also werden Sie nicht rücksichtslos aggressiv und geben Sie niemals die Hoffnung auf den Gewinn auf. Der Ausdruck „ein Chip und ein Stuhl“ ist kein Klischee um seiner selbst willen. Wählen Sie Situationen, wo Sie glauben zu gewinnen, oder erhöhen Sie, wenn Sie glauben, der Gegner wird passen. Mit wenigen Chips ist es die beste Zeit, Vorteile aus einer guten Position zu ziehen. Wenn Sie all in gehen, müssen die Gegner ein Blatt haben, um ihre Blinds zu verteidigen, denn Sie können nicht erneut erhöhen, um Sie aus dem Pot zu treiben. Wenn jemand mitgeht, müssen Sie hoffen, dass Ihre beiden Karten durchhalten und gewinnen, so dass Sie Ihre Chips verdoppeln können.
Eine andere Situation wäre es, wenn Sie in angemessener Weise Chips gewinnen, aber dann auch wieder große Mengen verlieren. Der Grund ist normalerweise, dass Sie sich in zu vielen Pötten engagieren. Natürlich kann man mit vielen Chips die anderen herumschubsen. Aber man sollte nicht leichtsinnig reraises mitgehen, nur weil man viele Chips hat. Dann wird der Zustand nicht sehr lange anhalten.
Mit fortschreitendem Turnier werden Blinds und Grundeinsätze sehr hoch Jetzt gilt es nicht so sehr, gute Karten zu bekommen (was zwar fein wäre), sondern sie zu repräsentieren. Es werden jetzt deutlich weniger Flops gezeigt, denn die meiste Aktion passiert bereits vor dem Flop. Wenn Sie dort in Schwierigkeiten kommen, müssen Sie die Stärke (oder Schwäche) Ihres Prä-Flop-Spiels untersuchen.
Tatsächlich ist es nicht einfach, anderen Spielern Ratschläge für Turnierspiel zu geben. Immerhin hat jeder einen einzigartigen und anderen Stil. Der beste rat den ich geben kann ist: Spielen Sie Ihre Stärken und versuchen Sie, Ihren Stil erfolgreich zu machen. Mit Ihrem natürlichen Spielstil werden Sie sich immer am besten fühlen, also arbeiten Sie daran und verfeinern Sie ihn. Als Hilfsmittel empfehle ich Ihnen präzise Ergebnisdokumentation: Gewinne, Verluste, warum und wann sind Sie ausgeschieden. Sie werden Muster erkennen und werden die immer wiederkehrenden Probleme langsam eingrenzen. Wenn Sie an Ihren eigenen Fehlern arbeiten, wird sich Ihr Spiel so viel mehr verbessern, als wenn Sie nur den Tipps von anderen lauschen. Wir machen alle Fehler, aber die guten Spieler erkennen ihre und wiederholen sie nicht. Betrachten Sie sämtliche zeit am Pokertisch als Lernprozess. Sie werden NIE genug wissen und sie können sich immer verbessern.