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20th November 2008 15:26 GMT
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Internet "Anti-Tells" von Lou Diamond Philips


Online-Poker basiert von der Sache her stärker auf Karten als auf Spielern. Das bedeutet im allgemeinen dass weniger geblufft wird und mehr Fallen gestellt werden. Lassen Sie die Karten das Spiel bestimmen. Die meisten erfahrenen Cyberspace-Spieler sind zu dem Schluss gelangt, dass solides Onlinespiel mehr geradeaus ist als traditionelle Live-Pokeraction. Dabei verlässt sich Onlinepoker weniger auf körpersprachliche Signale („Tells“), das Lesen der Spieler und sonstige verrückte Manöver.

Cyberspace-Spieler machen aus einer Reihe von Gründen wahrscheinlich mehr kurze Sitzungen. Viele quetschen hier und da eine halbstündige Online-Sitzung ein, besonders wenn der Tag mal wieder anstrengend ist. Es gibt ja nirgends Wartelisten, da es so einfach ist, den Tisch oder sogar den Online-Pokerroom zu wechseln. Niemand stört sich, wenn Sie einen dicken Pot gewinnen und anschließend kommentarlos im Nichts verschwinden. Deswegen ist es auch viel schwerer, sich einen Eindruck von Spielern zu verschaffen, die ständig kommen und gehen. Genau so wichtig ist das völlige fehlen von Körpersprache, die man im Livespiel sehen oder hören könnte. Fast alle Internet-Tells haben mit Timing zu tun: verräterische pausen, kalkulierte Verzögerungen, schnelles Klicken. Über viele wurde schon geschrieben, sie sind allgemein bekannt für die, die schon länger online spielen.

Aber es gibt ein paar Taktiken oder Manöver, über die ich bisher selten etwas gelesen habe. Dabei handelt es sich um zeitgerechtes und proofitables Einsetzen von „Anti-Tells“. Wenn Sie ein gutes Blatt halten, können Sie einen Spieler in später Position zum Bluffenveranlassen, wenn wenn Sie zweimal hintereinander die schnelle „Auto-Check“ Taste aktivieren. Dazu muss natürlich der „Play in Turn“ oder „Advance Action“ Button genutzt werden und nicht etwa gewartet werden, bis man dran ist um dann manuell zu klicken.

Aufmerksame Beobachter kennen den Unterschied zwischen einem Routinecheck und dem blitzschnellen Autocheck, der so wirkt als wollte der Spieler möglichst schnell die Partie hinter sich bringen. Oder sie glauben es – und das ist genau das, was Sie wollen. Sie simulieren totales Desinteresse an diesem Pot, indem Sie mit Nullverzögerung auf dem Flop und dem Turn schieben.

Weil nun viele Internetspieler „gelernt“ haben, dass blitzschnelles Passen rund um den Tisch den Pot zum Greifen nahe bringt, glauben sie an eine optimale Bluffsituation. Sitzt ein solcher Spieler auf dem Button oder davor, dann kann er der Versuchung nicht widerstehen und versucht sich den verwaisten Pot zu schnappen. Normalerweise wird er dann auch auf dem Turn setzen, in der Hoffnung, den Pot einzufahren.

Und genau da überraschen Sie ihn. Sie müssen jetzt entscheiden: Wenn Sie glauben, er wird erneut setzen und Ihre Karten sind nahezu unschlagbar, dann gehen Sie einfach mit, so als würden Sie selbst noch auf Verbesserung hoffen. Sie können dann dramatisch erhöhen, wenn er nach der Riverkarte setzt. Oder Sie erhöhen sofort und bekommen den Pot direkt oder spielen bis zum Aufdecken der Karten. Wenn Sie so eine Falle stellen für Spieler, die gerade genug Einsicht in Online-Tells haben um sich selbst in Schwierigkeiten zu bringen – besonders bei Pot Limit oder No Limit – dann ziehen Sie Vorteile aus deren neuerworbenen „Kenntnissen“.

Andererseits fallen Sie nicht selbst darauf herein. Angenommen, Sie haben mit einer mittelmäßigen Hand aus hinterer Position gesetzt. Ein Spieler, der exakt die Kurzzeitchecks auf dem Flop und Turn gemacht hat, erhöht plötzlich, nachdem Sie gesetzt haben. Besser asusteigen. Mit ziemlicher Sicherheit hat Ihr Gegner gerade den Trick angewendet, den ich beschrieben habe.

Interessanterweise habe ich in mehreren Büchern über Internet-Poker gelesen, man solle niemals die Automatik-Knöpfe nutzen, weil sie einfach zuviel verraten, wenn die Aktion so minimal verzögert wird. Aber warum diese Buttons nicht so nutzen, wie ich es gerade beschrieben habe – um Desinformation zu streuen? Zugegeben, der Gebrauch dieser Anti-Tells ist eine Kunst für sich. Nach sorgfältiger Beobachtung werden Sie aber wissen, wann Sie diese Manöver profitabel einsetzen können. Für die Zwischenzeit sollten Sie sich einfach ein bisschen als Zuschauer in großen Internet-Partien rumtreiben. Da werden Sie genau diese Tricks beobachten können.

OK, einige meiner Geheimnisse habe ich mit Ihnen geteilt. Beim nächsten Mal werden wir uns einige Irrtümer beim Onlinespiel ansehen, die nur wenig mit Ihrem Live-Poker Know How zu tun haben. Bis dahin: Mögen glückliche Online-Winde immer in Ihrem Rücken sein.