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6th Januar 2009 01:22 GMT
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Cash Game Tips von Lou Diamond Philips


Das Spiel um Geld (“cash game”) ist sehr komplex und verwickelt, weil es im Gegensatz zu einem Turnier ein „ewiger“ Prozess ohne definiertes Ende ist. Aus diesem Grunde muss der erfolgreiche cash game-Spieler sein Spielkapital akkurat managen und exakte Aufzeichnungen über seine Ergebnisse machen. Wenn Sie – wie ich – Profispieler sind, ist beides unabdingbar für den Erfolg. Aber auch wenn der Amateur diese einfachen regln zum Kapitalmanagement befolgt, wird er herausfinden, welche Spiele für ihn am lukrativsten sind.

Ich kenne viele talentierte Amateure, sogar Profis, die trotz eindeutiger Fähigkeiten den Anschluss verloren haben und wegen schlechtem Kapitalmanagement versagt haben.

Kapitalmanagement ist ein extrem wichtiger Aspekt erfolgreichen Spiels. Trotzdem übersehen ihn viele Spieler. Kapitalmanagement und Ergebnisdokumentation sind nicht der Königsweg zum Erfolg, aber sie helfen jedem Spieler, die Spiele zu identifizieren, wo sie finanziell gut abschneiden und wo sie sich wohl fühlen. Ich bin jetzt seit vielen Jahren Profi. Obwohl meine Vorschläge nicht in Stein gemeißelt sind, haben sie sich im Lauf meiner Pokerkarriere als brauchbar erwiesen.

Lassen Sie uns zunächst über die Einsätze Ihres Spiels nachdenken. Hier meine Vorschläge: In einem Limit Spiel sollten Sie über ein Spielkapital von etwa dem 300-fachen des oberen Limits verfügen. Das bedeutet, in einem €1/€2-Spiel stehen Sie mit einem Kapital von € 600 relativ sicher da. Sies etzen sich allerdings nicht mit den kompletten € 600 an den Tisch. Ihr Ziel sollte sein, niemals mehr als 10% Ihres Kapitals in einer Sitzung zu verlieren. Ich weiß, € 600 klingt enorm für ein €1/€2-Spiel aber damit sind Sie relativ sicher, dass Sie das unvermeidliche Auf und Ab und die unvermeidlichen verluste überstehen, die das Spiel mit sich bringt. Wenn Sie ein paar Gewinnersitzungen hinter sich haben, wählen Sie ein höheres Limit. Ebenso sollten Sie aber auch ohne schlechtes Gefühl dabei wieder zu kleineren Limits wechseln, wenn’s mal schlecht läuft und Sie sich mühsam wieder hoch arbeiten müssen.

Wenn Sie andererseits aber Pot- oder No-Limit spielen, sollten Sie über etwa das einhundertfache des Buy-Ins im gewählten Spiel verfügen. Wenn Sie also in einem Spiel mit dem Minumum-Buy-In von € 50 spielen, so sollten Sie über € 5.000 an Spielkapital verfügen. Auch diese Zahl wirkt sehr groß, aber das Auf und Ab in Pot- oder No Limit-Poker ist viel größer als im Limit-Poker. Deswegen brauchen Sie ausreichend Spielkapital, um auch größere Verluste bewältigen und weiterspielen zu können. Auch hier sollten Sie anstreben, niemals mehr als 10% Ihres Kapitals in einer Sitzung verlieren. Der Grund für die 10%-Regel ist einfach: Selbst die besten Spieler haben mal einen schlechten Lauf. Selbst wenn Sie glauben, mit bad beats umgehen zu können, werden diese Erlebnisse Ihre Spielweise beeinflussen. Glauben Sie mir, wenn es mal schlecht läuft (besonders im Pot- und No Limit), neigen Sie dazu, gute Karten sowohl zurückhaltend als auch angriffslustig zu spielen, also nicht optimal. Ich habe es tausendmal erlebt und werde es sicher noch weitere tausend Male erleben.

Es gibt Leute, die wirklich nur selten spielen. Sie sitzen dann mit einem festgelegten betrag an Geld am Tisch und hören auf, wenn der verloren ist. Das ist absolut OK. Die eben genannten zahlen betreffen Spieler, die Poker als eine langfristige Angelegenheit betrachten und regelmäßig spielen. Auch viele „Amateure“ sind Gewinner, die regelmäßig spielen und wenn sie sich nach diesen Zahlen richten so hilft ihnen das, Gewinner zu bleiben. Die Gefahr ist dann geringer, dass sie um Einsätze spielen, die zu hoch für sie und ihr Kapital sind.

Jetzt also zur präzisen Ergebnisdokumentation. Ihre Dokumentationen werden Ihnen mehr als alles andere verdeutlichen, in welchen Spielen sie teilnehmen sollten. Folgende daten sind wichtig: Kapital zu Beginn der Sitzung (und eventuelle Nachkäufe), Kapital zum Ende der Sitzung, Dauer der Sitzung in Stunden. Das mag unendlich langweilig wirken, besonders wenn man Verluste notieren muss. Aber es verdeutlicht Ihnen, in welchen Spielen sie gut sind (Geld machen) und wo sie deswegen möglichst häufig spielen sollten. Das klingt so einfach und doch machen bei weitem nicht alle Spieler präzise Aufzeichnungen. Sie sind deswegen im Nachteil, weil sie ihre Stärken und Schwächen nicht genau kennen.

Jetzt wissen Sie also, in welchen Spielen Sie mit wie viel Geld sitzen sollten. Wie aber spielen Sie dann tatsächlich, sobald Sie Platz genommen haben? Nun, das Wichtigste ist, Sie sitzen in keinem Turnier. Ihre Chips haben echten Geldwert. Die Grundeinsätze steigen nicht regelmäßig wie im Turnier, sondern bleiben konstant. Deswegen besteht auch keine Grund für Panik und Sie müssen nicht versuchen, die Blinds zu stehlen. Jetzt gilt es, auf Pot Odds zu achten. Manche Blätter, die in einem Turnier perfekt für erneutes Erhöhen wären, kann man im Cashgame durchaus passen. Wenn Sie zum Beispiel im Cashgame mit dem Flop einen Ansatz zum Flush finden, Sie spielen Mann gegen Mann und Ihr Gegner setzt in Höhe des Pots oder mehr (bei No Limit), dann spielen Sie mit negativer Gewinnerwartung. In Spielen mit Limit ist die Situation anders. Meist gehen mehrere Spieler bis zum Schluss, deswegen kann man auch Ansätze zu Flush oder Straße weiterspielen, weil es nicht so viel kostet, die nächste Karte zu sehen. Überlegen Sie also, wie viel es sie kostet und wie groß die Chance ist, dass Sie die nächste Karte auch treffen, bevor Sie Geld in den Pot werfen.

Eine sehr einfache und schnelle Näherungsformel gibt Ihnen den prozentualen Wert, mit dem Sie Ihre Karte treffen. Die Chance ist für jede individuelle Karte nach dem Flop etwa 4% (offensichtlich halbiert sich die Chance nach dem Turn auf 2%), also multiplizieren Sie die zahl der günstigen Karten mit 4. Ein Beispiel: Mit dem Flop haben Sie einen Flush-Ansatz (vier von einer Farbe). In den Restkarten sind jetzt neun Karten, die Ihnen den Flush komplettieren können. Die Chance auf dem Turn oder River zum Flush zu kommen beträgt also ca. 36%. Sie müssen demnach etwas mehr als 3:1 für den momentan erforderlichen Einsatz bekommen, damit es sinnvoll ist, weiter zu spielen. Diese Näherungslösung ist nicht ganz exakt, sie genügt in der Hitze des Gefechts aber vollauf zum Abschätzen der Chancen.

Abgesehen von der Wichtigkeit der Pot Odds und dem nicht notwendigen Stehlen der Blinds sind die Unterschiede zwischen Turnierpoker und Cashgame nicht sehr wesentlich. Position ist immer wichtig, das spielen sowohl der eigenen als auch der Karten der Gegner sind wichtige Themen, die ich aber schon in anderen Artikeln angesprochen habe und deswegen nicht unnötig wiederholen möchte. Allgemein können wir festhalten, während aggressives Spiel unabdingbar für Erfolg in Turnieren ist, so kann das in Cashgames durchaus teure Konsequenzen haben. Die Gegner können nicht einfach aus dem Spiel fliegen wie in Turnieren. Konstante Aggression vertreibt die Spieler nicht und kostet langfristig Geld. Allgemein sollten Sie zurückhaltender spielen als in Turnieren. Es ist nicht erforderlich, vermeidbare Risiken einzugehen, um Chips zu bekommen, um mit den anderen gleich zu halten wie bei einem Turnier. Spielen Sie also zurückhaltender und vorsichtiger, denn Ihre Chips haben echten Geldwert. Es ist nicht halb so wichtig, in einem Cashgame die meisten Chips zu haben wie bei einem Turnier.

Ich hoffe, einige meiner Tipps werden Ihnen am Pokertisch helfen. All das habe ich über viele Jahre lernen müssen und ich wünschte, ich hätte das alles schon zu Beginn gewusst. Es ist wirklich wertvolles Wissen.